Verliebtheit. Ein Begriff der für mich weder Liebe noch Schwärmerei bedeutet. Das hängt alles zusammen, keine Frage. Aber es sind unterschiedliche Stufen.
Wenn ich jemanden toll finde, weil ich ihn im Bus sehe, dann hab ichn kleinen Crush, weil er meine Auge angesprochen hat und für einen kleinen Moment mein Herz hat hüpfen lassen.
Wenn ich mit jemandem ein tolles Gespräch hatte, fühle ich mich bereichert und bin dankbar, will mich darüber austauschen und bin in einer positiven Gefühlshaltung.
Wenn ich merke, dass mir ein Mensch häufiger begegnet, man sich beiderseitig gerne Zeit füreinander nimmt und diese genießt, wie auch immer man das tut, dass schwärme ich bereits für jemanden. Das kann auch eine Begeisterung für eine Frau sein, die mich fasziniert und in deren Anwesenheit ich mich so richtig wohl fühle.
Wenn ich mich sexuell zu jemandem hingezogen fühle, dann ist das erstmal eben einfach nur das. Wenn dann die Worte aus dem hübschen Mund auch noch passen und die Körpersprache Bände spricht, dann verguckt man sich recht schnell.
Genauso ist es, wenn die Worte einen umhauen und die Körpersprache einen anspricht - Denn dann wird ein Mensch auch attraktiv für jemanden, egal ob man ihn sieht oder nicht. Das kann uns schon passieren, wenn wir viel mit jemandem schreiben oder telefonieren.
Wenn Körpersprache und Worte und Aura passen, dann kann das Aussehen, dass vielleicht nicht so im Beuteschema liegt, total nebensächlich werden. Der Mensch ist dann einfach schön.
Genauso passiert es meiner Meinung nach auch, wenn ein maßgeblich attraktiver, schöner Kerl auf einmal nur Scheiße aus seinem Mund regnen lässt und ein Verhalten an den Tag legt, dass unattraktiver nicht sein könnte. Das kann viele Ursprünge haben, aber die Schlussfolgerung bleibt die Gleiche. Nein danke.
Wenn es aber nun irgendwie passt, dann wird aus einem Mögen schnell ein Schwärmen und daraus noch schneller ein Vergucken. Da entscheidet sich dann, ob es sich zu einer Verliebtheit entwickelt oder doch nur ein kleiner, überschwänglicher Augenaufschlag war.
Kommt man zu dem Schluss, dass man sich nicht losreißen kann und einfach diesen Menschen in seiner ganzen Schönheit gerne um sich hat, gerne nah bei sich hat, dann ist man schnell verliebt.
Verliebtsein. Da ist es. Man hat sich für einen Menschen entschieden, ganz gleich was drum herum abläuft. Da kann man sich nicht wehren. Der Mensch tut einem gut, macht glücklich.
Der Geruch, das Anfassen, das Spüren und Hören, das Sehen. Alles saugt man auf wie ein trockener Schwamm. Und doch ist man in diesem Moment blinder als man denn glaubt.
Gefangen in den positiven Eindrücken lebt man mit rosaroter Brille, die ein Verfallsdatum hat, dass man immer wieder ignoriert. Zurecht, denn es gibt ja nichts schöneres, als sich der Sache einfach hinzugeben. Was irgendwer sagt ist einem nicht unbedingt egal, aber man schafft das schon irgendwie. Erstmal. Bis das erste Problem auftritt. Das erste, dass einen stört. Die erste Eigenart. Das erste, was man nicht miteinander teilen kann. Die ersten Missverständnisse, wenn man beginnt den ach so perfekten Menschen wirklich kennen zu lernen.
An diesem Punkt kristallisiert sich langsam, ob die Verliebtheit wirklich so nah an einer Liebe ist oder doch nur eine Phase war, die jetzt gerade gut passte. Schafft man es, aus allen Makeln und Problemen trotzdem einigermaßen heil herauszukommen - Dann ist man wirklich dabei, sich zu verlieben. Und das ist irrsinnig toll, aber auch irrsinnig anstrengend.
Liebe kostet viel. Sie gibt auch viel, klar. Aber wer schon einmal geliebt hat ( nicht verliebt war, sonder GELIEBT hat ), der versteht den Preis den man dafür zahlt. Man entscheidet sich, diesen bereitwillig zu zahlen. Nicht selten eben auf eigene Kosten. Manches Mal leidet man sogar darunter, denn die Liebe ist gnadenlos und will vieles verzeihen und tolerieren.
Was aber, wenn man das alles nicht kann? Wenn man sich davor fürchtet, weil man schon einmal so viel gegeben hat, dass es einen am Ende nackt ausgezogen hat bis man nur noch am frieren war?
Wenn man sich so gut kennt, dass man weiß, dass man die gleichen Fehler garantiert noch einmal tut, weil sie aus Liebe gemacht werden?
Meine Ängste sind einfach da. Ich bin schon viel zu tief drin. Ich denke über etwas nach, dass so noch nicht ist, und über die starken Konsequenzen die es mit sich führt. Ich scheine schon jetzt zu wissen, welche hohen Kosten auf mich zukommen, und davon wird mir schlecht. Es ist fast so, als würde man mich zwingen mir einen Neuwagen zu kaufen, den ich mir nicht leisten kann - Oder vielleicht auch grade überhaupt nicht brauche.
Mich einfach fallen lassen? Das kann ich nicht. Dazu kenne ich die Konsequenzen zu gut. Und sie gefallen mir nicht, sind auch für mich schwer einfach in Kauf zu nehmen.
Zusätzlich sagt mein Wille mir einfach etwas völlig anderes. Ich bin jetzt grade so glücklich alleine. Mit mir selbst und dem was ich für mich mache. Und diese Situation nimmt mir die Präzision und ich verliere mein mir sehr wichtiges Ziel für mich selbst aus den Augen. Das ist leider für mich wichtiger als Liebe. Meine Selbstliebe. Ein gutes Gefühl mit mir selbst haben.
Warum soll ich all das aufgeben? Es riskieren, nur um in eine Situation zu kommen die für mich momentan viel zu unsicher und zu... abwegig ist?
Ich hab bereits erkannt, was ich will und was nicht. Aber wir immer macht einem der Hormoncocktail einen Strich durch die Rechnung. Warum ist das so? Es ist ja nicht so, dass ich grade Babies werfen will oder einsam bin oder sexuell vernachlässigt.
Ich habe momentan nur das Bedürfnis, beruflich endlich voran zu kommen. Etwas zu sein. Einen Arbeitstitel zu haben. Ein Einkommen. Und all das sehe ich dadurch erheblich gefährdet.
Das liegt an mir und meiner Art, die in den letzten Jahren einfach so mutiert ist, dass ich mich völlig neu anpassen musste. Ich habe mich enorm verändert, bin realistischer und zielstrebiger.
Und ich will mir das nicht durch Hormone versauen lassen. Denn ich weiß, wie sehr einem das Herz auch vorgaukelt, dass das alles unglaublich wichtig sei - Das geht vorbei. Selbst wenn es angefangen hat und man es durchspielt. Noch die schönste Liebe bröckelt irgendwann und am Ende ist man da, vollkommen geschafft und wieder mit sich selbst.
Bevor ich eine solch waghalsige Prozedur erneut durchlaufe, auch wenn ich weiß das da viel Schönes dran ist und nicht nur Kampf, möchte ich gefestigt sein. Mir hilft kein anderer Mensch dabei, gefestigt zu sein. Das kann nur ich mit mir selbst ausmachen. Ich gehöre wie gesagt nicht zu den Menschen, die alleine unvollkommen sind und einen Partner und Liebe brauchen, um sich "Ganz" zu fühlen - Im Gegenteil, ich habe mich selten so "unkomplett" gefühlt, wie in einer Beziehung. Vielleicht liegt es daran, dass es nie der wirklich Richtige war. Aber ich glaube auch nicht daran, dass der jemals kommen wird. Jeder hat mal Glück, aber es gibt den perfekten Menschen einfach nicht.
In einer Beziehung gebe ich sehr viel von mir auf, weil ich Einzelgänger bin und viele Hobbies habe, die ich nur alleine betreibe. Ich bin gerne alleine, und da ist ein Partner eher stressig, so Leid es mir tut. Die Rücksichtnahme und das ganze Drumherum, die Zeit die man dabei opfert, so hart das klingen mag: Das ist für mich alles eine kleine Selbstaufgabe, eben weil ich so funktioniere und das nicht kompatibel mit einem Partner ist. Wenn es um Babies geht, dann hoffe ich irgendwann mal eines zu bekommen. Ich hoffe auf einem Mann, dem ich so sehr vertraue, dass ich das mit ihm durchziehe. Aber auch auf einen, der nach einer sehr wahrscheinlichen Trennung trotzdem noch ein guter Partner in Punkto Vater sein kann. Unromantisch, ja. Aber es wäre einfach falsch zu behaupten, dass ich daran nicht interessiert wäre. Genauso falsch wie zu sagen, dass ich happily ever after in nem Häuschen hocken muss. Wenn dann brauche ich viel Freiraum, ohne dabei zu fürchten, dass man mich unter Druck setzt oder verlässt. Ich kann sehr innig lieben, aber ich bin keine Klette, nicht mehr.
Es gab eine Zeit, da liebte ich die Liebe. Aber diese Zeit ist vergangen, und nun lerne ich gerade mich selbst zu lieben und das was ich für mein Leben tue. Eine Partnerschaft ist für mich ein I-Tüpfelchen, das man sich gerne dazu holen kann, wenn alles andere so einigermaßen seinen Lauf genommen hat. Nicht aber eine Art Rettung, die einen frohlocken lässt. Ich bin Rapunzel, die sich selber aus dem Turm geholt hat. Da ist kein Prinz gekommen, darauf habe ich lange gewartet. Irgendwann musste ich mich entscheiden ob ich im Turm sterbe, oder es selbst versuche. Und alleine hat das unglaublich gut geklappt. Ab und an besucht man seine Prinzessinenfreunde und lebt ein Leben voller anderer Liebesbeziehungen, die eben keinen Prinzen auf Platz 1 stellen.
Man vermisst nichts. Und dann kommt dieses fremde, ungewollte Ding und macht einem einen Strich durch die Rechnung. Ganz so als habe man ein schlechtes Gewissen, dass man jetzt einfach so aus dem Turm rausgegangen ist, denn der Prinz könnte ja jeden Moment doch noch kommen.
Aber der Start ist schon längst gemacht, man ist schon ganz gut auf dem Weg, und die Erkundung hat auch ohne begonnen. Wozu also auf den Prinzen warten, im Turm? Warum nicht erstmal die eigene Welt erkunden und vielleicht dann irgendwann auf ihn stoßen? Warum muss das gerade JETZT sein, wo man sich ab ackert um endlich selbstständig zu werden?
Manche Dinge kann man wirklich besser in Märchen erklären. In Bildern. Dann sind die irgendwie eindeutiger. Es passt mir wirklich überhaupt nicht und fühlt sich deshalb falsch an. Fehl am Platze.
Ein glückliches Leben braucht nicht noch mehr davon, beziehungsweise ein Risikospiel, dass schon einmal zum totalen Supergau geführt hat.
Ich bin nicht verbittert. Ich will nur einfach gerne alleine sein und das genießen, wie ich eben nur ohne Partner und dem ganzen Liebesschmalz leben kann. Was für Erwartungen kommen da nur wieder auf einen zu, von allen, nicht nur dem Partner? Und diese Zeit habe gar nicht, und will ich gar nicht geben, da tut mir der arme Prinz jetzt schon verdammt Leid, weil das leider nur in die Hose gehen kann.
Innerlich male ich mir sowas aus wie eine tolle Freundschaft, die mich nicht unter Druck setzt und vielleicht irgendwann zu einem anderen Zeitpunkt zuschlägt und dann richtig ist. Sich dann auch in eine andere Richtung entwickeln darf. Aber ich merke bereits jetzt, wie es mich verändert und blind macht. Und ich hasse es so sehr keine Kontrolle mehr zu haben. Die Tage sind blurry, die Stunden vergehen rasend, meine Zeit läuft anders. Ich fühle mich wieder zurückversetzt, als würde ich Rückschritte machen. Weil ich dadurch vieles, dass mir wichtig ist, bereits vernachlässige. Wer soll für alles andere auch noch genügend Aufmerksamkeit und Zeit haben, wenn er 24/7 nur grübelt und an die eine Situation und deren Händelung denkt?
Ich verstricke mich. Und ich bin froh, dass das hier niemand so wirklich nachlesen wird. Das diese Gedanken mir gehören und ich sie trotzdem abgeben kann an ein Medium, ohne sie passend für jeden zu formulieren. Wer es lesen will, nur zu. Aber letztlich weiß nur ich was ich meine, und nur ich kann damit versuchen umzugehen, versuchen eine Lösung zu finden.
Wie und ob das möglich ist, ist fraglich. Aber leider ist mir bereits jetzt vollkommen klar, das ich mich nicht beruhigen kann und keinen Ausweg daraus finde, egal wie sehr ich abwäge und versuche einzuordnen, eine Lösung zu finden die mich befriedigt in allen Punkten. Und das ist ein ganz schlechtes Zeichen.
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