Ich war nie so ein Mensch. Mir ist es, wenn man es denn verallgemeinern kann, mehr oder minder egal wie ein Mensch ausschaut. Oder erst Recht was ihn eben für so viele Menschen so "anders" macht.
Hätte ich mir als Kind oder als Teenager die Welt genau so malen dürfen, wie ich sie mir damals gewünscht hätte, dann wäre es eine Welt voller Individuen gewesen, die sich schätzt oder eben nicht schätzt, weil die Ansichten vielleicht nicht kompatibel sind oder die Hobbys zu unterschiedlich.
Es wären Menschen gewesen wie bei Exupérys eindrucksvoller Geschichte über die Liebe zu einer Rose, die Freundschaft zu einem Fuchs und der Verwunderung über die Erwachsenen.
,, Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."
( Der Fuchs zum Prinzen, "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry )
Wohl fast jeder hat diesen Satz schon einmal gelesen oder gehört, die meisten tun auch gerne so als lebten sie danach, die wenigsten nehmen ihn auf Wahrheitsebene für voll.
In meiner Welt würde dieser Satz im Gesetzbuch stehen. Irgendwo zwischen den anderen pathetisch anmutenden Weisheiten und Richtlinien.
Wenn ich einen Menschen in mein Herz gelassen habe und schätze, dann tue ich dies doch hoffentlich nicht nur, weil er neben mir so gut aussieht. Wenn man mich dann fragt, warum dieser Mensch zu mir gehört, wäre es eine sehr irritierende Antwort, wenn ich sagen würde das es mir so gut gefällt uns zusammen zu sehen.
Sobald man nicht mehr unter Leuten ist, fällt das weg. Seien wir ehrlich. Die Erde ist ein von Sex und Geld verrohter, winziger Krümel im Sonnensystem. Es ist schwer, wirklich festzulegen, wie man einem Menschen begegnen sollte und ob es den einen wirklichen Weg gibt, Begegnungen stets lehrreich, positiv und für alle so angenehm wie es denn möglich ist zu gestalten.
Wir geben alle etwas darauf, was ein anderer von uns denkt. Wer sagt, er schminke sich für sich selbst, der ist da nicht voll und ganz ehrlich.
Klar, ich schminke mich auch für mich selbst und verstehe den Gedanken. Ich habe nicht vor, damit irgend wen für mich zu gewinnen. Aber ich bin dazu fähig mir einzugestehen, dass mich Schminke auf einer einsamen Insel vermutlich einen Scheiß interessiert. Keine Lippenstiftflecken, keine juckenden Augen am Abend, keine verstopften Poren, keine 5 Hautcremes und und und... Und Haut fühlt sich, genau genommen, auch schöner an, wenn sie nicht mit Concealer, Foundation, Puder, Rouge, Highlightern und Bronzern zu gekleistert wurde. Auch eine Problemhaut. Diese vermutlich erst Recht, und ist sie auch noch so trocken.
Wenn ich raus gehe und mich zurecht gemacht habe, dann geht es mir gut. Warum? Weil ich mich im Spiegel betrachtet habe und mich nach allen Aufbereitungsmaßnahmen wohl fühle. Vielleicht verspüre ich ja sogar Stolz, weil meine Haare heute so super sitzen. Aber gehen wir davon aus, alle Menschen wären weg. Und ich würde rausgehen. Wäre ich dann immer noch jeden Tag so super stolz auf mich? Nur weil ich meine Lippen besonders gut betone?
Es gibt immer Ausnahmen, immer ein für und wieder. Manch einer schminkt sich auch noch nach der Apokalypse. Aber ich denke, dass im Großen und Ganzen klar ist, was ich meine. Und das es einfach zutrifft. Wir sind wie wir sind, erst mal auf Äußerlichkeiten bezogen, weil wir andere sehen, die so sind wie wir sein wollen. Wir wollen begehrenswert sein. Wir wollen auch so aussehen. Wir wollen das Shirt und den Hut. Wir wollen ihre Brüste oder seine Muskeln. Weil wir es sehen und uns suggeriert wird, dass es ein normales Bedürfnis sei. Für uns ist das normal. Das wir z.B. im Sommer nicht maßgeblich nackt rausgehen zum Arbeiten.
Manch einer versteckt seine gezeichneten Problemzonen, schwitzt im Sommer lieber im Pulli als sich allen zu zeigen und Blicke des Spottes zu riskieren. Denn er oder sie weiß, dass es nicht normal ist so auszusehen. Und dann rutscht Du mit einem Male immer weiter runter. Die hässliche Leiter der Gesellschaft.
Ich denke, ich muss nicht mit Monologen über Philosophie einschläfern.
Der Punkt ist auch ohne detailreiche Beschreibungen klar. Wir sehen was wir sehen wollen, bewerten und urteilen von der anderen Straßenseite über einen Menschen, dessen Farben wir noch gar nicht einmal erahnen konnten. Wieder sage ich, alles kann ins Detail geführt, ergründet und abgewägt werden. Wir werden hier aber erst mal nicht über politische Seiten, Glaubensrichtungen und solche Fälle reden, in denen man von 'nem Fremden über die Straße hinweg beschimpft wird und dann ein schlechtes Gewissen hat, weil man "Arschloch" denkt und sauer wird, obwohl man ja doch den Menschen noch nicht kennt.
Das sind Impulse. Kommt einer Katze eine andere Katze in die Quere, aus welchen Gründen auch immer, dann gibt's Stress. Aber bestimmt nicht wegen eines Lippenstiftes oder weil die Katze nur drei Beine hat. Vielleicht ist mein Standpunkt einigermaßen klar, ohne das ich großartig alles beleuchten muss. Wir Menschen halten uns für schlauer als alles andere, da sollten wir jetzt vielleicht auch ein wenig selber denken und verknüpfen.
Der Satz von Exupéry sagt alles aus, was ich sagen will.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen