Donnerstag, 14. Mai 2015

Mein Körper, das Seelenwattebällchen

Ich weiß nicht, ob ich mir wie eine Teenie vorkomme, der Angst vor dem "ersten Mal" hat oder ob ich einfach allgemein überwältigt und fasziniert bin.
Klar ist, dass eine Anziehung besteht. Beiderseitig. Ich kann sie aber zum ersten Mal nicht klar benennen.

Allgemein würde ich von mir behaupten, dass ich mich schon immer sehr gut reflektiert habe. Kritikfähigkeit, das Nachdenken über das eigene Handeln und Sein... Man könnte sagen, ich bin ein sehr toleranter, rücksichtsvoller Mensch, der die Welt wirklich anders sieht als manch anderer. Diese Weltanschauung hat mich zeitweise schon so sehr zur Verzweiflung gebracht, dass ich nicht mehr leben wollte. Man sieht das ganze, riesige Wirrwarr, dass sich Gesellschaft nennt.

Im engen Rahmen von zugeschnittenen Erwartungen und Richtlinien, wie ein Mensch zu sein hat, kämpfen alle um das beste Stück Fleisch. Und wenn Du einfach nicht reinpasst, dann kannst Du noch so gut kämpfen und bleibst auf der Strecke. Immer schon habe ich die Menschen um mich genau beobachtet, mir im Kopf selbst die kompliziertesten Charaktere erklärt. Auch wenn jemand wirklich furchtbar zu mir war habe ich immer versucht das zu reflektieren, versucht es zu verstehen.

Meistens wurde es mir nicht unbedingt gedankt. In meinem Kopf dachte ich, dass mein Wunsch die Welt in einem positiveren Licht zu sehen doch in Erfüllung gehen würde, wenn ich einfach selbst freundlich und mutig blieb. Aber damit bin ich auf die Schnauze gefallen,viele Male.
Noch vor zwei Jahren sagte ich solche Sätze wie "Die Menschen sind furchtbar. Sie sind selbstsüchtig, oberflächlich, gehässig und böse.". Und ich meinte es auch so. Die wenigen Lichter, die es gab, reichten mir nicht aus - Denn diese Menschen konnte ich bewundern, dass sie durchhielten, dennoch musste ich ja mein eigenes Leben weiterleben und die "Bösen" ertragen lernen.

Ich weiß nicht, was man sich manchmal alles Utopisches wünscht von den Mitmenschen. Ein Lächeln mehr, ein spöttischer Blick weniger. Wenn es mir gut ging und ich zufrieden war, dann gab es immer jemanden der es schaffte mir das madig zu machen. Die Welt redete mir ein, dass ich so wie ich war keinen Platz in ihr hatte. "Heul doch." - "Friss oder stirb.".

Nun habe ich immer wieder darüber nachgedacht, seit ich denken kann.
Warum sind die Menschen so? Warum muss das alles so unverschämt ekelhaft oberflächlich sein? Warum kann man zu einem gutaussehenden Mann keine freundschaftliche Beziehung aufbauen, weil der dann häufig denkt man will was von ihm und je nachdem was er will wird man dann behandelt? Warum muss alles immer gleich unterschwellig sexuell ablaufen? Uhrinstinkt? Ich meine, dann sind wir wirklich nicht die Schlausten. Denn was bringt mir ein gesunder, gut gebauter Jäger, wenn er vor lauter Begriffsstutzigkeit kein einziges Wildschwein erlegt? Ich hoffe, meine Gedanken sind nicht zu verworren. Gerade schaffe ich es selbst kaum mich soweit zu ordnen, dass meine geschriebenen Worte auch für einen Außenstehenden genau so verstanden werden, wie ich sie meine.

Zum Glück kam ich irgendwann an einen Punkt, nach einer langen gefährlichen grausigen Zeit, an dem ich bemerkte, dass meine gesteckten Ziele nicht wirklich die meinen waren.
Von Außen hatte ich mich selbst dazu gezwungen, so zu sein, wie man mich haben wollte.
Das lässt sich wirklich auf alle Bereiche mit unterschiedlicher Erklärung und Ursache beziehen.

Schönheit kommt von innen, aber der erste Blick ist natürlich von Äußerlichkeiten bestimmt, keine Frage. Du siehst ja nicht, wie der Mensch innen ist. Das ist auch alles nicht das Problem. Mich ärgern die Menschen, die etwas das sie nicht schön finden kommentieren, ohne das sie danach gefragt wurden oder einen Bezug dazu haben. Mein Tag ist im Arsch, und es hat niemanden wirklich was gebracht, noch habe ich nach einer Meinung gebeten.

Wenn Schönheit von innen kommt, und alle predigen das ja immer ganz eifrig das sie so denken, dann wären mir in meinem Leben nicht solche Lackaffen begegnet, die mich liebten und bei mir aufblühten, aber letztlich dann doch an ihrer Eitelkeit scheiterten.
Zur Erklärung: Ich bin kein Quasimodo, lediglich jenseits der Modellmaße. Und das empfinde ich persönlich nicht als besonders widerlich oder abschreckend. Im Gegenteil. Ich fühle mich mittlerweile recht gut in meinem Körper, nachdem meine Seele wieder ein wenig zusammenwächst und meine Zukunft beruflich in eine gute Richtung geht. Das alle meinen Körper immer zu meinem Hauptproblem gemacht haben und machen kann ich heute etwas stärker weghusten.

Ich bin wirklich eine recht hübsche Frau, achte auf mein Äußeres ohne steril zu sein, liebe schöne Sachen und fühle mich sexy. Also eigentlich alles prima. Wenn dann nicht neben meinen Ängsten in dieser Welt keinen Platz zu haben immer wieder die Neinsager kommen würden, und die Hohlköpfe.
Wir kennen diese Leute alle, und manches Mal sagt der Buddhist man solle auch diese Menschen anlächeln, für sie beten. Ich sehe es gerne so, dass ich niemals weiß, warum dieser Mensch so ekelhaft drauf ist, und rede mir immer wieder ein das dieser Mensch einfach nur traurig sein muss, so kühl, so verbissen und bitter, so eingeschränkt und unglücklich. Manches Mal haben wir aber alle Momente, in denen uns auch der kleinste Schmetterlings-Flügelschlag den Kopf weg pustet, dazu kann man auch ein Selbstbewusstsein haben das bis in den Himmel ragt. Böse Zungen schmerzen immer. Auch wenn sie nur Blödsinn sabbern.

Nun hatte und habe ich diese Ansicht, habe immer darauf gehofft, dass der Mensch doch besser ist, als ich immer wieder sah. Denn auch meine Freunde wie ich selber haben diese Züge, wir alle lesen und schauen Fern, werden beeinflusst und jeder sagt mal etwas Unfreundliches oder denkt sich eben seinen Teil. Wir alle haben die gleiche Gehirnwäsche, auch wenn wir versuchen sie abzuschütteln. Wir sagen vielleicht dann nicht immer alles wie Hohlköpfe, aber es kullert uns trotzdem im Hirn umher. Und ich bin reflektiert genug zu wissen, dass meine Lieben mich auch manches Mal einfach nett anlächeln und anflunkern, um mir nicht weh zu tun. Das mache ich nämlich auch, wenn auch sehr, sehr selten.

Meine Ansicht, ach ja: Ich kam schon früh darauf, dass ich meine Augen schloss und mir versuchte vorzustellen, wie es wäre wenn wir alle uns nicht mit den Augen als Projektion in 3D erleben würden. Das kann man an sich selbst schon sehr gut üben. Immer wieder predige ich unzufriedenen Freundinnen sich im Spiegel bewusst anzusehen. Wenn einem nicht gefällt, was man sieht, kann man überlegen, was man daran ändern kann und will. Wenn man sich eigentlich gut fühlt, und das Spiegelbild sich eben einfach nur verzerrt und hässlich wird, weil man nicht in die Norm passt, dann ist es ungemein wohltuend sich nicht ständig anzuschauen.

Wir alle kennen das. Man fühlt sich gut, sieht super aus. Dann macht einer ein Foto. Und wenn man es sieht findet man alles an sich selbst käse und hat schlechte Laune. Klar gibt es auch das Gegenteil, keine Frage. Aber ich rede jetzt einfach mal von der einen Sache. Was man sieht, verschwimmt. Man verliert aus den Augen, was eigentlich gut an dem Menschen dort im Spiegel ist, weil man sich ständig äußerlich mit anderen vergleicht, gerne auch mit abermals verzerrten Bildern von Menschen.

Warum also nicht mal den Spiegel weglassen? Ich empfehle also immer wieder, wenn man sich selbst wieder kennenlernen muss, sich selbst zu berühren. Damit meine ich jetzt nicht unbedingt Selbstbefriedigung - Die da auch sehr wichtig sein kann. Aber es geht vielmehr darum zu fühlen, was vielleicht ein anderer Mensch fühlt, der einen liebt.

Wenn Dir deine Brust nicht gefällt, wie Du sie im Spiegel siehst oder auf Fotos, und Du denkst dann sofort das auch jeder potenzieller Partner das gleiche denkt, wenn er Dich berühren will:
Denk' nach. Sehen ist nicht berühren. Berühren kann aber Sehen sein.
Augen zu, und selbst über den Körper streichen. Glaubt man, dass es sich wirklich so abartig anfühlt? Wie fühlt sich jemand, der Dich dort berührt, jemand, der Dich aus freiem Willen anfässt, weil er Dich liebt?

Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass es ungemein hilft zu erkennen, dass wir alle einen mehr oder weniger gleich aufgebauten Körper haben. Manches ist einfach größer oder kleiner, weicher oder härter als bei jemand anderem. Punkt. Wenn ich jemanden liebe, dann will ich demjenigen nah sein. Und das ist alles. Ich will ihn nicht bestaunen und seinen Körper abmessen, ob auch alles da sitzt, wo es angeblich laut Klatschzeitung sitzen sollte. Ich meine, wer hat das Gesetz denn verabschiedet? Du bist gesund, lebst. Und hast nen Körper, den man berühren kann. Der warm ist. Der Ecken und weiche Rundungen hat. Der Formen hat, gerade und wellige Linien.
Es ist ein Körper, etwas das Dich am leben hält. Er ist dazu da, um Dich mit Energie zu versorgen - Nicht um die anderen Menschen zu bespaßen. Er gehört Dir. Am Ende sterben wir alle. Und dann ist der Körper weg. Pustekuchen. Und Du hast Dir Gedanken gemacht, ob dein Hintern auch noch straff genug ist.

Wenn dieser erste Eindruck abgelöst werden könnte durch das was Dich wirklich ausmacht. Deine Art, deine Ausstrahlung, dein Wesen. Wenn man sagen könnte, wir würden uns als Seelen begegnen. Dann wäre das alles nicht mehr so stressig und unnötig kompliziert. Denn wenn jemand einzigartig wunderbar und faszinierend ist, Dich glücklich macht, dann ist doch alles paletti.

Und genau da kam ich ziemlich früh auf die wirkliche Bedeutung von Attraktivität und Schönheit.
Die Schönheit liegt ja im Auge des Betrachters. Und laut Exupéry behaupte ich einfach mal, dass unser aller verlässlichstes Auge das Herz ist. Wenn dann ein Mensch  passt ist alles soviel wundervoller. Wenn man dann auch noch einen Menschen gut riechen kann, will man ihn berühren. Und wer sagt, das ein großer oder kleiner Körper besser oder schlechter ist, wenn es nur um Berührungen geht?

Ich dachte mir, wenn man mir denn bis jetzt folgen konnte ( letztlich weiß ich eh am Besten, was ich meine, und wenn ich eine Erläuterung ausgelassen habe dann heißt es nicht dass ich sie nicht verinnerlicht habe - Das Runterschreiben ist sowieso nur in erster Linie für mich und meine Gedanken ), dass manche Leute ohne ihr Sehen vielmehr sehen würden.
Und von da an wollte ich immer einen Blinden Menschen näher kennen lernen, weil ich wissen wollte, ob ohne das Augenlicht all diese Sachen wirklich in den Hintergrund geraten und es wirklich um das geht, was eben wirklich da ist. Der Mensch, der Körper als Indivuelles Gehäuse, welches man nur zu gerne berühren will, wenn man den Inhalt so unglaublich schätzt.

Zum momentanen Zeitpunkt würde ich übersprudelnd behaupten: Ja. Es ist so wie ich es mir vorgestellt habe. So wie ich Menschen immer sehen wollte, wie es immer versuchte, so oder so ähnlich sieht auch er die Menschen. Nur noch ein bisschen mehr so, wie ich sie sehe, und ohne diesen ganzen unwichtigen Medienkrams. Ist das verständlich? Für mich zumindest schon.

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